Liebe Lisa @the_ocean_free, zunächst einmal vielen Dank für das Interesse an einem Interview mit mir.
Das hat mich sehr gefreut! 

Könntest Du bitte meinen Lesern kurz Deinen, doch etwas anderen Beruf näher bringen und erklären, was Dich dazu bewegt hat das Programm „getrennt glücklich“ zu starten?

Die kurze Version, die ihr gerne auf Instagram, Facebook usw. für Euch selbst ergänzen sollt: Ich bin 37 Jahre, Mutter von 3 Kindern, Unternehmerin, Autorin und Coach.

Mein wichtigstes Programm – „getrennt glücklich“ -  hilft Menschen, durch schwierige Trennungssituationen zu gehen. Trennungscoaching bedeutet für mich, dass ich Menschen zeige, wie ich persönlich Trennungssituation verarbeitet habe, was genau ich getan habe und in welche Reihenfolge. Meine Kunden wollen natürlich auch nicht den Schmerz verlängern, sondern klare Ergebnisse und die am liebsten sofort. Ich bin oft überrascht, wie zielsicher und schnell diese Menschen nach der Katastrophe ein Leben aufbauen, von dem sie vorher nicht zu träumen gewagt haben. Und damit das klappen kann, teile ich meine eigene Erfahrung und Perspektive. Das kann sehr dabei helfen, dass wir voneinander lernen und meine Kunden, schlimme und sehr negative Erfahrungen selber nicht machen müssen. Die lassen sich sehr oft vermeiden.

Während des Coachings helfe ich dabei, dass die vier wichtigsten Lebensbereiche für meine Kunden deutlich besser werden als vorher und sie die „Schock“-Situation nutzen, um daraus nicht nur Emotion, sondern auch Hunger und Energie für einen oder mehrere positive Durchbrüche.

Es ist ziemlich klar für mich, dass ich nur deshalb hilfreich sein kann, weil ich eine Überdosis an persönlichen Katastrophen, schweren Abschieden und Entscheidungen in meinem Leben hatte. Und jede einzelne hat mich fast in die Verzweiflung getrieben, bevor ich es geschafft habe, mein Leben neu und besser zu gestalten. Es sind immer wieder die selben Schritte und in der immer gleichen Reihenfolge. Niemand wünscht sich ein persönliches Desaster. Wenn es einmal so weit ist, kann dieser Plan alles zum Besseren verändern.

Meiner Meinung nach ist die Richtung, in diese dein Coaching geht, ein Thema, welches viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat, denn in unserer westlichen Gesellschaft ist es leider schon fast ein Tabu, sich bei einer Trennung Hilfe zu holen. Obwohl es uns doch alle irgendwann betrifft/trifft. Warum ist dies so?

Danke, Lisa. Ich sehe das genauso.

Jetzt zu deinen Fragen:

  • Wir glauben als Gesellschaft, dass wenn jemand zum Arzt geht, dann geht er, weil er musste: Bein gebrochen zum Beispiel. Und wir finden das dann auch OK, weil mit körperlichen Schäden meistens verbinden: die passieren unverschuldet. Verletzungen können sogar Mut, Aktivität und eine milde Form von Heldentum bedeuten.
  • Die Perspektive ändert sich bei seelischen, psychischen und emotionalen Schmerzen. Menschen machen sich Sorgen. Wenn sie sich Hilfe holen in Themen, die mit der Seele zu tun haben, mit der Psyche oder der eigenen Einstellung usw., dass auch automatisch der Eindruck entsteht: „die brauchte einen Psycho-Doktor“. Diese Angst davor, als wandelnder Defekt zu gelten ist für viele Menschen schlimmer, als die Krise alleine zu überstehen.
  • Wir wollen als Menschen gerne die Kontrolle behalten und in einer Situation, wo wir total verunsichert sind, Angst und Schmerzen haben, sind wir oft gar nicht offen dafür, jemanden so nah uns ranzulassen. Wir fühlen uns schlecht, erniedrigt und wollen nicht, dass uns jemand zu genau anschaut, weil wir noch mehr Ablehnung befürchten. Wir fühlen uns nicht komplett, nicht wertvoll genug, nicht OK. Das ist weit verbreitet und völlig ungerechtfertigt.

Wir glauben, dass moderne Menschen das Recht haben, Ressourcen für sich zu nutzen, die da sind. Das bedeutet nicht, dass jemand, der ein Coaching in Anspruch nimmt, defekt ist oder schwach oder wertlos. Es ist eine Entscheidung, die Verantwortung für sich selbst in der Hand zu behalten und sich weniger abhängig vom Umfeld zu machen. Eine Entscheidung für die Freiheit.

Alle Menschen, die wir für ihren Erfolg bewundern, haben Coaches.
Sie reden nicht groß darüber, aber es ist völlig nachvollziehbar. Sie nutzen die Erfahrung und die Perspektive anderer cooler Menschen für sich und um den Menschen, die sie lieben, ein besseres Leben zu ermöglichen.

Wenn Du heutzutage Skateboard lernen möchtest, gehst Du in einen Skatepark und schaust Dir an, wie die anderen das machen. Und dann fragst Du, ob jemand Dir zeigen möchte, wie das funktioniert. Coaching folgt genau diesem Prinzip. Als Coach bin keine Therapeutin oder Psycho-Doktorin. Ich bohre auch nicht in Deiner Vergangenheit, außer, das muss wirklich sein, herum. Wir gestalten zusammen Deine Zukunft. Mit Tipps, Tricks und mit Erfahrungswerten, wenn sie helfen.           

Von der Trennung in die Depression, ein physischer Schmerz, oder doch nur ein Phantom? Was ist Deine Antwort auf diese Hypothese?

Dazu habe ich eine sehr klare Meinung. Depression vor, während und nach einer Trennung ist überhaupt kein Phantom. Das Wort „Depression“ klingt sehr klinisch und natürlich möchte fast niemand sich selbst den Stempel „depressiv“ aufdrücken oder auch nur offen eingestehen, dass die eigenen Kräfte erschöpft sind und die innere Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit die Überhand gewinnen.

Versetzen wir uns mal in die Lage von jemandem, der gerade alle seine romantischen Hoffnungen, den eigenen Selbstwert, das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das Vertrauen in die eigene Kompetenz und seine Zukunft davon segeln sieht. Was spürt jemand in so einer Katastrophe?

Es gibt ein schönes Zitat: Depression entsteht aus der Unfähigkeit, die eigene Zukunft zu gestalten. Wenn die Kontrolle über die eigene Familie oder Partnerschaft verloren geht: schlimm genug. Wenn Schmerzen, Enttäuschungen und Feindseligkeiten dann an die Stelle von Zuneigung, Bewunderung, Anerkennung und Wärme rücken, dann kann ein normaler Mensch sich kaum noch in der Bahn halten. Dazu kommen dann finanzielle Sorgen und eine generelle, bisher unbekannte Unsicherheit. Die innere Gefühlslage, die da entsteht, kann so düster sein, die wünschen wir unserem größten Feind nicht.

Wenn Du so ein Ereignis in Deinem Leben hast, kannst Du unmöglich den Eindruck haben, dass Du jetzt im Moment deine Zukunft aktiv gestaltest. Automatisch passiert das Gegenteil. Man hat den Eindruck, dass man ferngesteuert wird. Dass die Ereignisse überwältigend sind. Dass man nicht mehr genau weiß, was man jetzt tun soll. Man verzweifelt.

Deswegen glaube ich nicht, dass wir über einen Mythos sprechen. Und ich möchte eine ganz wichtige Botschaft an alle Betroffenen schicken: Es ist OK, sich richtig sch*§$%“ und enttäuscht zu fühlen. Es ist ganz OK, verzweifelt zu sein. Alle Meinungen, Urteile und Motivations-Tipps von außen könnt ihr getrost ignorieren.

Verwundbarkeit ist ein Zeichen von Stärke. Nur, wer sich öffnen kann und mutig Gefühle zulässt, kann überhaupt verletzt werden. Auch ein Zeichen von Stärke ist es, jemanden an die eigene Seite zu nehmen, der die Situation kennt und die Lage klarer sieht. Jemanden, der Dir Kraft und Sicherheit gibt. Jemanden, der das idealerweise schon überwunden hat: Die grenzenlose Verzweiflung. Dieses nicht mehr wissen, wie kann man aufhören soll zu weinen. Dieses Gefühl, verschwinden zu wollen.  Die komplette Ablehnung für die Situation und auch die Unfähigkeit, sich auf irgendeine Zukunft.

Du sagst, Du bist eine unerschütterliche Optimistin. Wie hast Du es geschafft, in Höhen und vor allem in den Tiefen Deine Energie in eine positive Kraft umzuwandeln? 

Wenn man sich die Frage stellt, „wo soll ich jetzt noch Energie hernehmen“ oder „wie soll ich das überstehen“, steht man schon am Rand der Verzweiflung.

Ich habe einfach gelernt, dass meine Aufmerksamkeit, den Fragen folgt, die ich mir stelle. Und die Energie folgt dieser Aufmerksamkeit.

Unser Gehirn ist leider so konstruiert, dass wir uns auf Gefahren, Risiken und andere negative Dinge konzentrieren. Dieses biologische Instrument will uns ja gerade davor beschützen und ist deshalb mit maximaler Sendeleistung auf Alarmstufe rot. Das ist also völlig normal. Leider dreht auch die Emotionsspirale ins Negative, wenn wir unsere Biologie einfach übernehmen lassen.

Man kann voneinander sehr einfach lernen, sich bessere Fragen zu stellen. Zum Beispiel, direkt und sofort in einem Gespräch. Was bedeutet „bessere Fragen“? Bessere Fragen sind die Fragen, die im Moment hilfreicher sind.

Mich hat zum Beispiel – als es mir richtig schlecht ging – jemand gefragt: was kann im schlimmsten Fall passieren? Wie intensiv musst Du Dich wirklich genau jetzt damit beschäftigen? Wenn sich Deine Situation, Dein Leben ab heute besser entwickelt, wo kannst Du in zwei oder in drei Jahren stehen? Was können wir dafür tun? Und wenn das geschafft wäre, welche neuen Möglichkeiten hast Du dann?

Und wenn ich mir diese Fragen stelle, dann habe ich schnell etwas Motivierendes, was mir hilft, mich nicht zu stark auf die negativen Seiten zu konzentrieren. Die ist nicht neu, aber sie ist so richtig wie eh und jeh: es geht immer wieder die Sonne auf.

Viele meiner Kunden sagen mir mit etwas Abstand, dass sie ihr Leben nach der Katastrophe viel mehr genießen, als vorher. Das sie Ihr neues Leben und Ihre neue Partnerschaft viel besser finden. Bei vielen sehe ich auch objektiv massive Verbesserungen. Sie lächeln, sie haben mehr Erfolg, höhere Einkommen, sie fühlen sich super. Viele finden einen neuen Partner, mit dem sie viel mehr gemeinsame Ideen, Ansichten und auch Abenteuer haben.

Mein Motto ist: Alles was mich nicht umbringt, macht mich stärker. Dazu muss ich aber sofort etwas sagen: Das ist kein Kalenderspruch, der mir hilft. Die Kraft kommt aus den Fragen. Der Spruch ist eine reine Zusammenfassung meiner Erfahrung.

Wenn Du Dich jetzt fragst, welche. Hier sind meine wichtigsten:

Ich habe 10 Jahre lang Ballett in der besten und härtesten Truppe der Welt gelernt, studiert, trainiert und getanzt. Im Bolshoi in Moskau. Das hat mich sehr diszipliniert gemacht. Dann musste ich den Traum aufgeben, Prima-Ballerina zu werden und habe das Ballett verlassen. Kurz darauf habe ich einen Mann geheiratet, den ich über alles geliebt habe. Nur um herauszufinden, dass ich seine Affäre war. Ich habe meine Eltern verloren. Beide innerhalb von einem Jahr. Ich habe mein erstes Business gegen sehr rücksichtslose „Umstände“ verteidigen müssen. Und die Liste können wir bei anderer Gelegenheit fortsetzen.

Die Strategien, die mir selbst sehr geholfen haben, helfen heute meinen Kunden. Und das ist ein Ergebnis, für das sich jedes einzelne Aufstehen gelohnt hat. Das konnte ich in der Krise nicht wissen. Wer es schafft, optimistisch seine eigene Situation zu hinterfragen und seine Zukunft nicht aufzugeben, hält sich zumindest die Option offen, am Ende alle zu überraschen.

Was erwartet Deine Klienten, wenn sie sich für ein Coaching bei Dir entscheiden? (Ablauf/Wie viele „Sitzungen“?/Kosten/Erfolge...)
Bei welchen Problemen, oder in welchen Lebenslagen, bist Du der richtige Ansprechpartner? Ich persönlich hatte sehr lange Probleme, mich von einer toxischen Freundin zu lösen, das ist ja mindestens genau so schlimm, wie eine Trennung eines Partners.

Interessant, dass Du über toxische Menschen sprichst. Und sehr gut, dass Du das geschafft hast. Es ist häufig so, dass wir die Verantwortung für Beziehungsstörungen bei uns selbst suchen oder zumindest einen Arm und ein Bein dafür geben würden, die Harmonie aufrecht zu erhalten.

-       Für den Umgang mit toxischen Menschen gibt es eine gute Faustformel. 3 Warnungen und dann: Raus da. Nicht nur vergiften sie sich selbst und unser Leben, sie sind auch sehr ansteckend.

-       Wenn einer der Leser in so einer Situation steckt: sprich unbedingt und am besten noch heute mit Lisa. Die Erfahrung und die Klarheit sind sehr wertvoll und machen Entscheidungen möglich, die Du Dir selbst nicht zu traust.

-       Ich habe viele schwierige Situationen in meinem Leben mit unnötig großem Schmerz überstanden und hätte mir so etwas wie eine große Schwester gewünscht, die mir mit einem Plan zur Seite steht. Jetzt setze ich mich für andere Menschen ein, denen so jemand fehlt.

-       Ich möchte andere Menschen vor unnötigen, teuren und schmerzhaften Fehlentscheidungen bewahren und vor allem ihren Selbstwert auf ein völlig anderes Niveau bringen. Das „getrennt glücklich“ Programm konzentriert sich darauf, Menschen bei der Überwindung von Trennungen zu helfen und ihnen klare, erprobte Anleitung zu geben für die wichtigsten Schritte, die in ein neues, glückliches und erfolgreicheres Leben führen.

-       Das Programm führt in 12 Schritten durch 4 Phasen. Unsere Kunden brauchen im Schnitt zwischen 4 und 8 Wochen für jede dieser Etappen und insgesamt 4-8 Monate. 

-       Wenn man versteht, wie schwer die innerlichen Erschütterungen und die Verzweiflung sein können, wenn eine intensive Beziehung nicht mehr fortgesetzt werden kann, dann ist auch klar, warum unsere Kunden diese Zeit brauchen.

Hattest Du auch schon einen, ich nenne es jetzt mal ganz provokant ausgedrückt „hoffnungslosen“ Fall, oder gibt es immer ein paar Tipps/Tricks, welche ausnahmslos helfen? Denn jeder Mensch ist individuell und ist anders auf Hilfe zugänglich.

Du hast Recht, jeder Mensch ist individuell. Deswegen finde ich meine Arbeit so spannend und interessant. 

Bisher hatte ich noch keinen „hoffnungslosen“ Fall. Bestimmt auch deswegen, weil Menschen, die Kontakt zur mir aufnehmen, immer noch Hoffnung oder einen starken Wunsch haben, ihr Leben zu meistern und Ihre Situation zu verbessern. Es gibt immer wieder Kunden, die richtig am Boden sind. Was diese Menschen brauchen, ist Zeit und gute Gespräche, um sich zu orientieren und zu finden. Das ist der erste Teil meiner Arbeit und auch der beste Tipp, den ich geben kann. Akzeptiere Dich. Bewundere Dich. Erwarte, dass Du wieder richtig viel Freude haben wirst. Auch, wenn es im Moment nicht so aussieht.

Was mir ganz speziell hilft: Meine Kunden lachen viel. Und ich gebe auch genug Anlaß dazu. Zum Beispiel durch meine eigene Unperfektheit. Da ich in Moskau geboren und aufgewachsen bin, verwechsle ich zum Beispiel Wörter oder baue ganz neue.  Deswegen sind meine Coachings-Sessions auch sehr unterhaltsam und lustig. Das hilft meinen Kunden und mir eine entspannte Coach-Kunde-Beziehung zu bauen, die keine Einbahnstraße. Ich halte das Vertrauen zwischen einem Coach und einem Kunden für einen Schlüssel zum Erfolg. Für mich ist es eine Ehre, diese Menschen auf dem Weg zu Ihren wiederentdeckten Träumen zu begleiten. Und ich glaube an jeden einzelnen von ihnen.

Wenn Du jedem Menschen da draußen einen Rat mit auf dem Weg geben könntest, wie würde dieser lauten?

Ja… es gibt einen Tipp. Und er hat etwas mit Angst und Mut zu tun.

Ich erlebe im Coaching jeden Tag, wie sehr Menschen sich von Ängsten kontrollieren lassen.

Niemand hat gerne Angst. Wir neigen wegen unserer Biologie dazu, Gefahren dramatisch überzubewerten. Häufig lassen Menschen sich von Ihren Sorge lähmen, ohne eine Idee zu haben, was im schlimmsten Fall wirklich passieren könnte. 

Das ist bei der Bewältigung einer Trennung genau so stark ein Thema, wie beim Aufbau eines neuen, viel besseren Lebens.

Und es behindert uns sogar in unserem täglichen Leben. Natürlich wollen wir uns im Angesicht echter Gefahren einigermaßen smart verhalten. In den meisten Fällen halten uns grundlose Sorgen aber davon ab, überhaupt zu frei und selbstbestimmt zu leben. 

Der Tipp: Nehmt Eure Ängste nicht so ernst.

@helena_t.jung und @the_ocean_free by Lisa

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